- Kristin Mohr
- Posts
- Warum guter Content kein Zufall ist ...
Warum guter Content kein Zufall ist ...
Es gibt eine Beobachtung, die sich immer wieder bestätigt, ganz gleich, ob man sich kurze Posts, längere Artikel oder Videos anschaut, ganz gleich, ob es um große Accounts oder eher leise, aber sehr wirksame Stimmen geht.
Guter Content entsteht nicht zufällig.
Er funktioniert nicht, weil jemand besonders kreativ war oder einen guten Tag hatte.
Er funktioniert, weil er auf etwas sehr Menschlichem aufbaut.
Auf wiederkehrenden Mustern.
In den letzten Jahren ist viel von Storytelling die Rede. Von Hooks, Dramaturgie, Spannungsbögen. Gleichzeitig bleibt oft unklar, was damit eigentlich gemeint ist.
Storytelling ist vor allem eines: Mustererkennung.
Wenn man sich gute Texte oder Videos ansieht, dann folgt ihr Aufbau fast immer einem ähnlichen Verlauf. Nicht als starre Schablone, sondern als natürlicher Ausdruck menschlicher Erfahrung.
Es gibt jemanden, um den es geht.
Es gibt einen Ort oder einen Kontext, in dem etwas passiert.
Es gibt eine Situation, eine Spannung oder eine Entscheidung.
Es gibt eine Emotion, die mitschwingt.
Und es gibt ein Learning, das hängen bleibt.
Nicht, weil jemand das so gelernt hat, sondern weil Menschen genau so denken, fühlen und erinnern. Richtig?
Ich denke: Wer langfristig wirklich gut werden möchte, durchläuft dabei meist dieselben Entwicklungsstufen.
Die erste Stufe - Erkennen von Mustern
Diese Stufe beginnt fast immer außerhalb von uns selbst.
Ein sehr konkreter Tipp an dieser Stelle ist, sich Menschen, Accounts oder Vorbilder zu suchen, mit denen man wirklich resoniert. Nicht die lautesten, nicht die größten, sondern die, bei denen etwas hängen bleibt. Texte, bei denen man langsamer liest. Gedanken, bei denen man innerlich zustimmt.
Genau dort lohnt es sich, genauer hinzuschauen. Nicht nur auf das, was diese Menschen heute schreiben, sondern auch darauf, wie sie begonnen haben. Wie haben sich ihre Texte über die Zeit verändert? Wo wurden sie klarer, ruhiger, präziser? Und wie haben Menschen darauf reagiert?
Mustererkennung bedeutet in dieser Phase nicht, etwas nachzumachen, sondern aufmerksam zu studieren. Zu beobachten, was über die Zeit funktioniert hat und warum.
Dieses Prinzip gilt nicht nur für Content, sondern für Entwicklung insgesamt.
Irgendjemand hat einmal erkannt, dass sich etwas ins Rollen bringen lässt und so entstand das erste Holzrad. Später wurde es stabiler, dann bereift, dann an unterschiedliche Jahreszeiten angepasst. Jemand hat Muster erkannt, zum Beispiel, dass im Winter (Muster der Jahreszeiten) mehr Unfälle passieren, und daraus entstand die Winterbereifung.
Das Rad wurde nicht ständig neu erfunden, sondern immer wieder aufmerksam beobachtet und weiterentwickelt.
Und genau das dürfen wir auch für unseren Content erkennen.
Die zweite Stufe - Nutzen von Mustern
Und hier ist mir eine Sache wichtig, die oft falsch verstanden wird. Diese Phase ist nicht nur erlaubt, sie ist notwendig.
Wir haben sprechen gelernt, indem wir andere sprechen gehört haben. Wir haben laufen gelernt, indem wir andere beobachtet haben. Wir haben schreiben, rechnen, etc. gelernt, weil uns jemand vorgemacht hat, wie es geht. Alles entstand unterwegs.
In dieser Phase ist es vollkommen in Ordnung, Texte von anderen zu nehmen, sie umzuschreiben, sie an sich anzupassen und damit zu experimentieren. Nicht als blindes Kopieren, sondern als bewusstes Lernen.
Man schaut sich seine Lieblingscreator an, erkennt ihre Muster, nutzt sie und prüft, was sich für einen selbst stimmig anfühlt. Genau so entwickelt sich Schritt für Schritt ein eigenes Gefühl für Sprache, Aufbau und Wirkung.
Das ist keine Schwäche. Das ist Entwicklung.
Die dritte Stufe - Meisterschaft
Diese Stufe entsteht nicht durch einen einzelnen Moment, sondern durch Wiederholung. Durch das immer wieder Tun. Durch das Schreiben derselben Gedanken, derselben Überzeugungen, derselben Ideen, bis sie sich nicht mehr wie Technik anfühlen, sondern wie ein natürlicher Ausdruck.
Disziplin bedeutet, etwas so oft zu tun, bis es kein Aufwand mehr ist.
Erst dann entsteht Freiheit.
Wenn man ehrlich ist, haben wir alle Dinge viele Male tun müssen, um sie wirklich zu beherrschen. Meisterschaft entsteht nicht beim ersten Versuch, sondern durch das wiederholte Umsetzen dessen, wofür man stehen möchte.
Tonalität entsteht genau dort. Nicht durch einen einmaligen Entschluss, sondern dadurch, dass Menschen einen immer wieder in derselben Haltung erleben. In derselben Idee. In derselben Sicht auf die Dinge. Man entscheidet sich für eine Botschaft, für eine innere Haltung, für eine Richtung - und bleibt dann dabei.
Mit der Zeit passiert etwas Interessantes: Menschen beginnen, einen wiederzuerkennen. Nicht wegen einzelner Texte, sondern wegen der Konstanz dahinter. Irgendwann sagen sie nicht mehr:
„Das ist ein guter Beitrag“, sondern: „Ah ja. Das ist sie. Das ist er.“
Das ist keine Inszenierung.
Das ist gelebte Haltung, die sichtbar geworden ist.
Man sieht das bei Menschen, die große Meisterschaften vollbracht haben. Ihre ersten Texte waren oft nicht gut. Meine eigenen ersten fünf oder zehn Newsletter würde ich heute nicht mehr so schreiben. Sie waren Teil des Weges. Heute, viele Ausgaben später, hat sich ein Stil entwickelt, der sich stimmig anfühlt.
Natürlich gefällt das nicht jedem.
Aber es gefällt den Richtigen.
Und genau diese Menschen bleiben, kommen wieder, buchen Workshops oder werden Klientinnen und Klienten. Nicht, weil alles für alle passt, sondern weil klar wird, wofür man steht.
KI, ChatGPT und Prompts können in diesem Prozess hilfreich sein. Ich nutze sie selbst. Aber Tools ersetzen dich nicht. Sie verstärken lediglich das, was bereits vorhanden ist.
Wenn nichts da ist, entsteht generischer Content.
Wenn Lernen da ist, entsteht Entwicklung.
Wenn Klarheit da ist, entsteht Wirkung.
Gute Texte fühlen sich deshalb nie künstlich an. Sie fühlen sich geordnet an. Gedacht, gemeint und getragen.
Am Ende läuft alles auf eine einfache Frage hinaus.
Nicht: Wie schreibe ich besser?
Nicht: Wie werde ich sichtbarer?
Nicht: Wie funktioniert der Algorithmus?
Sondern: Was habe ich wirklich zu sagen, und warum ist das für andere relevant, nicht nur für mich?
Wer diese Fragen ernsthaft beantwortet, muss keine Angst vor Nachahmung haben und auch keine Angst vor leeren Ideen. Muster sind überall. Man darf sie nutzen. Man muss sie nur irgendwann zu den eigenen machen.
Denn eine gute Geschichte findet immer ihren Weg.
Und Echtheit sowieso.
Good luck, my friend.
-Kristin
LONG-PS: 🙃
Ein Gedanke zum Schluss, weil ich ihn immer wieder beobachte.
Dieses ständige Optimieren, Weiterbilden, noch ein Webinar, noch ein Framework, noch der Versuch, den Algorithmus endlich zu verstehen, führt viele nicht nach vorn, sondern irgendwann in ein inneres Verzetteln. Man hat ständig das Gefühl, noch nicht genug zu wissen oder noch nicht bereit zu sein.
Die Wahrheit ist: Den Algorithmus wird man nie vollständig verstehen. Und selbst wenn, erklärt er kein menschliches Verhalten.
Zahlen und Daten bilden höchstens rückblickend ab, was funktioniert hat, nicht warum etwas berührt.
Was wirklich trägt, war schon immer etwas anderes: Gute Geschichten, klare Gedanken und echte Visionen.
Sie erreichen Menschen, die genau das gerade brauchen, nicht weil sie perfekt optimiert sind, sondern weil sie resonieren.
Deshalb meine Empfehlung: Richte dich weniger nach Mechaniken und mehr nach menschlichen Mustern. Nach Psychologie, Erfahrung und Verständlichkeit.
Bleib auf deinem Weg und übersetze deine Botschaft so, dass andere sie verstehen können.