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Longform-Content. Dein Vorteil in der AI-Ära?

Ich beobachte gerade eine stille Verschiebung im Internet. Du auch?

Wir leben in einer Zeit, in der Inhalte schneller produziert werden können als je zuvor. KI kann innerhalb weniger Minuten Texte, Posts, Hooks und ganze Content-Pläne ausspucken. Kurzform-Inhalte werden massenhaft generiert, recycelt und optimiert. Alles wirkt geschliffen. Alles klingt „richtig“. Und trotzdem bleibt fast nichts hängen.

Genau hier beginnt das eigentliche Problem.

Denn Aufmerksamkeit ist nicht gleich Bedeutung.
Reichweite ist nicht gleich Vertrauen.
Und Sichtbarkeit ist nicht gleich Wirkung.

Längere Inhalte sind deshalb kein nostalgisches Relikt aus einer langsameren Zeit. Sie sind ein Gegenpol. Ein Filter. Eine bewusste Entscheidung gegen Oberflächlichkeit.

Longform-Content zwingt Menschen, sich zu entscheiden.

Niemand liest zufällig einen Newsletter bis zum Ende.
Niemand hört aus Versehen eine Podcastfolge aufmerksam.
Niemand bleibt bei einem langen Text, wenn er nichts fühlt.

Du wirst mir sicherlich zustimmen. 🙃 

Und genau deshalb funktioniert dieses Format.

Newsletter, Podcasts, Videos, Essays, Artikel auf LinkedIn, X oder Substack sind keine Wachstums-Hacks. Ihr Wert liegt nicht im Format selbst, sondern in der Perspektive, die darin sichtbar wird. In der Art, wie jemand denkt, argumentiert, Zweifel zulässt und Zusammenhänge herstellt.

Man kann ChatGPT & CO anweisen, tausend kurze Posts zu schreiben.
Man kann es aber nicht anweisen, Haltung zu entwickeln - die hat der Mensch.

Kurzform-Content (Post) ist nicht falsch. Er ist ein Einstieg. Eine Tür. Ein erster Kontakt. Aber was danach kommt, entscheidet darüber, ob jemand bleibt oder weiterzieht. Generischer KI-Text hält niemanden langfristig. Außer vielleicht jene, die dir verkaufen wollen, wie man besser schreibt, oder Engagement-Gruppen, die sich gegenseitig pushen, ohne dass echte Verbindung entsteht.

Das bringt weder Tiefe noch Business.
So entstehen keine hundert echten Fans.
So entsteht nur digitales Rauschen.

Longform gewinnt gerade deshalb wieder an Bedeutung, weil Menschen müde geworden sind vom endlosen Konsum. Sie wollen nicht noch mehr Content. Sie wollen Orientierung. Beziehung. Eine Perspektive, in der sie sich selbst wiederfinden können.

Schreiben ist dabei kein Talent. Schreiben ist Denken.

Wenn du vor einem leeren Bildschirm sitzt und nicht weißt, was du sagen sollst, liegt das selten am fehlenden Stil oder an der falschen Technik. Meist fehlt Ordnung im Kopf.

Schreiben zwingt dich, deine Gedanken zu sortieren. Muster zu erkennen. Widersprüche auszuhalten. Eine Sprache für das zu finden, was du eigentlich sagen willst.

Nicht für den Algorithmus. Für Menschen!

Wenn du mit einem Newsletter starten willst, stell dir deshalb nicht zuerst die Frage, wie oft du schreiben solltest oder welche Betreffzeilen funktionieren. Stell dir andere Fragen.

  1. Was ist dein Herzensthema?
    Womit beschäftigst du dich selbst dann, wenn niemand zusieht?

  2. Wie hat dein Tun bereits anderen geholfen?
    Nicht theoretisch, sondern konkret. Wo gab es echte Veränderung?

  3. Was waren die lehrreichsten Erkenntnisse für andere - durch dein Tun?
    Nicht die glatt polierten Tipps, sondern die unbequemen Wahrheiten.

Ja, du teilst hier sogar deine besten Gedanken.
Und nein, du musst keine Angst haben, dass dir jemand etwas klaut.

Die meisten werden nicht umsetzen.
Aber viele werden verstehen, wie du denkst.

Und genau dort entsteht etwas, das man nicht erzwingen kann: Vertrauen. Menschen stufen dich als wertvoll ein, als echt, als jemand, dem man zuhört. Nicht weil du manipuliert hast, sondern weil du bereit warst, Substanz zu zeigen.

Das ist kein Marketing-Trick.
Das ist der Aufbau eines Dorfes.

Menschen fühlen sich bei dir sicher, weil sie spüren, dass hier nicht verkauft, sondern gedacht wird. Dass hier nicht performt, sondern reflektiert wird. Dass hier jemand spricht, der selbst auf dem Weg ist.

Vielleicht gebe ich Kurzform-Content irgendwann ganz auf. Vielleicht auch nicht. Ich weiß es noch nicht.

Was ich aber weiß: Longform ist der Ort, an dem Tiefe entsteht.
Und Tiefe ist das Einzige, was in dieser AI-Ära nicht kopiert werden kann.

Vielleicht ein guter Moment für etwas Konkretes

Ich habe vor einiger Zeit einen Podcast zum Thema “Newsletter sind Tod?” mit Philipp Zöld aufgenommen. Philipp ist seit vielen Jahren im Bereich E-Mail-Marketing und Newsletter unterwegs und kennt dieses Medium nicht aus Theorien, sondern aus echter Praxis.

In unserem Gespräch ging es genau um diese Fragen: Warum Newsletter gerade jetzt wieder an Bedeutung gewinnen, worauf es wirklich ankommt und warum Longform-Content kein Trend, sondern ein Beziehungsformat ist.

Am Ende ist es kein Entweder-oder.

Ob Longform für dich ein Newsletter ist, ein Buch, ein Podcast, ein Videopodcast, spielt keine entscheidende Rolle. Entscheidend ist, dass du ein Medium findest, das du wirklich magst. Eines, das sich nicht nach Pflicht anfühlt, sondern nach Ausdruck.

Und genauso wichtig: Niemand muss das tun.
Nicht jeder muss schreiben.
Nicht jeder muss sprechen.

Das hier ist keine Anleitung und kein “So-musst-du-tun-Aufruf “
Es ist eine Beobachtung des Marktes in der AI-Content-Ära.

Deinen Weg wählst du immer selbst.

Na dann.

Good luck, my friend. 🙃 

Deine

-Kristin

Viele glauben: „Wenn ich auf LinkedIn einen externen Link zu meinem Newsletter oder Video poste, straft die Plattform meinen Beitrag ab.“

Das stimmt so nicht.

Bei LinkedIn ist nicht der Link das Problem, sondern was danach passiert.

LinkedIn ist eine Werbe- und B2B-Plattform.
Sie verdient ihr Geld mit:

  • Werbung

  • Unternehmenslösungen

  • Recruiter-Tools

  • Kursen & Business-Produkten

Nicht damit, dass Creator extern etwas verkaufen.

Wenn jemand auf deinen Newsletter-, Website- oder Podcast-Link klickt:

  • verlässt die Person LinkedIn

  • scrollt nicht weiter

  • sieht keine Werbung mehr

  • interagiert seltener mit deinem Post

Die meisten kommen nicht zurück, um zu liken oder zu kommentieren.
Dadurch entstehen weniger Interaktionen und genau deshalb sinkt oft die Reichweite.

Nicht wegen des Links.
Sondern wegen der unterbrochenen Aufmerksamkeit.

Bei X oder Substack ist das anders

Plattformen wie X oder Substack funktionieren anders:

Dort sind Creator Teil des Geschäftsmodells:

  • Bezahlte Abos

  • Paid Articles

  • Umsatzbeteiligung für die Plattform

Wenn Creator Geld verdienen, verdient die Plattform mit.

FAZIT:

Externe Links auf LinkedIn sind kein Fehler.

LinkedIn ist einfach nur keine Creator-Monetarisierungsplattform, sondern eine Plattform, die Aufmerksamkeit auf der eigenen Seite halten will.

Wer das versteht, hört auf, sich über „schlechte Posts“ zu wundern
und trifft bewusste Entscheidungen statt Mythen zu glauben.