Als ich am Mittwoch am Bett eines sehr engen Menschen saß und die Hand gehalten habe, sind mir viele Gedanken durch den Kopf gegangen.

Zwischen all der Stille dachte ich über ihr Leben nach. Dann über meins. Über das, was ich tue. Mein Business.

Gleichzeitig dachte ich auch an die anderen Menschen, die in diesem Raum an den Betten ihrer lieben Menschen saßen.

In vier Stunden geht einem viel durch den Kopf, wenn man an einem Platz verweilt, oder?

Hmmm ..

Manche haben die Wahl, ihr Leben selbst und bewusst zu gestalten. Andere haben diese Wahl zu einer gewissen Zeit nicht mehr.

Aber wer sind wir eigentlich in der Zeit, in der wir noch bewusst gestalten können?

Ich musste an all die Rollen denken, die Menschen spielen. Manche Menschen spürt man sofort. Ihre Ruhe, ihre Art zu sprechen, wie sie da sind, ohne etwas beweisen zu müssen. Bei anderen merkt man eine Rolle. Ein Auftritt. Ein Bild, das gehalten werden muss.

Und je länger ich darüber nachdachte, desto mehr kam mir in den Sinn: Das passiert online noch mal genauso, wenn du eine Personal Brand aufbauen willst. Es ist nur “greifbarer”, sichtbarer, für alle Menschen.

Du überträgst alles, was du im realen Leben lebst, einfach nur nach außen, auf deine Plattformen, in deine Worte, in dein Business. Die eigentliche Frage ist nur:

Welche Version von dir ist das, die du da überträgst?

Wie sich immer wieder herausstellt, gelingt es einem sehr geringen Teil, dabei dauerhaft und vor allem „richtig gut" echt zu bleiben.

Mit „richtig gut" meine ich keine Hochglanzvideos, perfekte Beiträge, perfekte Sprache in Videos, …

Ich meine damit, die Menschen zu erreichen, die dein Thema wirklich interessieren, weil du sie mit deinem Angebot im Leben ein Stück mehr voranbringst oder, kurz gesagt, ein Problem löst.

Aber was ist es, das Menschen jedes Mal davon abhält, dauerhaft dranzubleiben oder echt zu sein, und sie genau an dem Punkt aufgeben lässt, den man den „Dip" nennt?

„The Dip" ist ein Buch von Seth Godin

Ich habe es gelesen und erzähle dir jetzt in eigenen Worten das Wichtigste daraus. Und danach kannst du es dir selbst kaufen, um Autor zu unterstützen, okay? Ich will schließlich niemandem Geld wegnehmen.

Also: Das hier ist das Ergebnis. Und das hier ist der Aufwand. (Siehe Grafik)

Je länger du dich anstrengst (oft Jahre), desto größer wird irgendwann das Ergebnis. Das ist die kurze Erklärung für die Grafik.

Jedes Mal, wenn du etwas Neues startest, investierst du am Anfang noch nicht besonders viel Aufwand und bekommst dafür relativ viele Ergebnisse.

Wenn du zum Beispiel anfängst, auf Social Media zu posten, belohnt dich der Algorithmus auf den meisten Plattformen sogar dafür, dass du neu bist.

Du erstellst einen neuen Account, veröffentlichst einen Post und der geht ab. Der nächste Post auch. Die ersten Follower. Die ersten Likes … Cool. Das macht Spaß.

Und irgendwann kommt Stillstand. Es fühlt es sich plötzlich so an, als wärst du shadowbanned worden, oder „nicht mehr gut genug". Auf einmal denkst du dir: „Irgendwie ist das nicht mehr cool. Keine Reichweite. Keine Likes. … "

Also steckst du noch mehr Arbeit hinein. Bekommst trotzdem weniger Ergebnisse. Und dann landest du in dem Bereich, den Seth „The Dip" nennt (das Tal, das Tief).

Der Dip, fühlt sich nach unglaublich viel Arbeit an. Und das macht vielen keinen Spaß mehr.

Also, was machen die meisten?

Sie hören auf.

Oft fangen sie mit etwas Neuem an. Vielleicht ein neues Thema, mit dem sich mehr Geld verdienen lässt. Vielleicht kopiert man einen erfolgreichen Account. …

Aber:

Was ist das eigentliche Problem?

Aus meiner Sicht ist es, dass viele nicht für ihr Thema oder ihre Idee brennen. Die Leidenschaft ist schlicht nicht vorhanden.

Deshalb lohnt es sich, seine wahren Ziele anzusehen.

Warum tust du, was du tust?
Warum willst du online sichtbar sein?
Warum fällt es dir schwer, Persönlichkeit zu zeigen?

Wenn ich diese Fragen Menschen stelle und mir die Antworten genauer anschaue, stecken unterschiedliche Dinge dahinter.

Manchmal brennen sie nicht wirklich für ihr Thema und wollen es trotzdem vermarkten. In den meisten Fällen wollen sie “jemand sein” oder gehört werden.

Andere gehen den Weg schlicht wegen des Geldes.

Aber egal, welcher Fall eintritt. Es entsteht oft eine Version von einem selbst, die es offline so gar nicht gibt.

Am Ende geht es hier also nicht um richtig oder falsch, sondern um die Frage:

Welche Rolle spielst du gerade online?

Und geht es dir auch gut damit?

An dem Punkt beobachte ich folgende Digitaltypen:

  1. Digital Anonym - Hoher Respekt vor der eigenen digitalen Fußspur. Jedes Bild, jedes Wort, jede digitale Offenbarung wird abgewogen. Gerade in Zeiten von KI und Deepfakes wächst die Angst, deshalb wird versucht, sich mit Comic-Profilen und Co. so weit wie möglich zu verbergen.

    Kehrseite: Genau dieser Schutz wird zur Bremse. Ohne Gesicht, ohne Stimme, ohne erkennbare Persönlichkeit entsteht kaum Vertrauen. Wer sich komplett verbirgt, bleibt unsichtbar, selbst wenn er sichtbar postet.

  2. Digital Fake - Die eigene Erscheinung wird durch KI optimiert. Referenzbild oder Video, Text und Tonalität werden generiert, damit sie Menschen tief berühren. Die perfekte Version entsteht: schmaler, volleres Haar, makellose Haut, charismatische Worte.

    Kehrseite: Sobald diese Person real auftritt, im Call, vor Ort, bei einem Event, bricht die Illusion. Die Lücke zwischen Online-Version und Realität wird sichtbar, und mit ihr verschwindet das Vertrauen, das vorher aufgebaut wurde.

  3. Digital Proll - Rolex, Ferrari, Penthouse. Die „Ich habe 100.000 Euro mit nur einem..."-Person. Materieller Reichtum steht an erster Stelle, das Produkt tritt in den Hintergrund. Schätzungen zufolge sind nur etwa 10 Prozent dieser Typen wirklich finanziell erfolgreich, der Rest arbeitet mit KI-Bildern, um Besitz vorzutäuschen.

    Kehrseite: Wer nicht besitzt, was er zeigt, läuft in dasselbe Problem wie der Digital Fake, die Wahrheit holt ihn irgendwann ein. Und selbst die echten 10 %, die wirklich prahlen wollen/können, ziehen oft Neid- und Hasswellen an. Dazu braucht man ein “dickes Fell”. Diese 10% haben aber treue und echte Fans, weil der Proll echt ist und Menschen anzieht die dieselben Werte wie er teilen.

  4. Digital Missionar - „Wenn du nicht, dann..." Diese Person will überzeugen, dass ihr Angebot das einzig Richtige ist, alles andere gilt als falsch. Auch wenn im Gespräch klar wird, dass das Angebot nicht passt, wird trotzdem weiter überzeugt. Sie findet vor allem Menschen, die leicht beeinflussbar sind und ihr eigenes Problem noch nicht kennen.

    Kehrseite: Kurzfristig funktioniert das, weil Druck manchmal wirkt. Langfristig verbrennt es Vertrauen, sobald Menschen merken, dass sie überredet statt beraten wurden. Die Reichweite wächst vielleicht, die Reputation leidet meistens.

  5. Digital Magnet - Diese Person spricht aus echter Leidenschaft, nicht aus Kalkül. Sie zeigt sich mit ihrem Lernprozess, ihren Versuchen, ihrer Entwicklung, ohne jemals zu behaupten, im Besitz der einzig richtigen Antwort zu sein. Gerade weil sie niemanden überzeugen will, wirkt sie überzeugend. Ihr Charisma ist kein Auftritt, sondern echt.

    Kehrseite: Sie polarisiert, weil klare Haltung immer aneckt, manche lieben genau diese Direktheit, andere fühlen sich davon abgestoßen. Wer niemanden explizit überzeugen will, verzichtet auch auf den schnellen Reflex, alle mitzunehmen. Ihr Preis ist also nicht “Enttarnung”, sondern eine kleinere, dafür treuere Followerschaft.

Und hey, alle Typen sind weder richtig noch falsch.

Frage ist nur:

Welcher Typ bist du gerade?

Wenn du nun noch mal gedanklich in dich gehst. Wenn du dir überlegst, was dein Weg für die nächsten Jahre ist. Und du dich entscheidest und gehst, dann wirst du auf deinem Weg den Dip immer erreichen, weil es schlichtweg unmöglich ist, nur Positives zu erfahren.

Aber du wirst den Dip aus einer anderen Perspektive sehen.

Du hast dich für einen Weg entschieden, du siehst, dass es das Tief gibt, und du verstehst, dass nichts ohne sein Gegenteil wahr ist. WEIL, nach einem Hoch kommt immer ein Tief, oder?

Der Unterschied ist dann nur, dass du am Dip reflektierst. Du fragst dich ehrlich, ob das noch dein Weg ist, und wenn ja, dann machst du aus Leidenschaft weiter.

Und hier denke ich noch mal zurück. An den Tag, an dem ich am Bett eines geliebten Menschen saß, und an die Zeit, die ich dort reflektiert habe.

Denn am Ende sollte man sich für sein Leben entscheiden, online wie offline.

Also mach weiter, wenn du spürst, dass du dich mit etwas Sinnvollem in die Welt einbringen kannst.

Und hör auf, wenn du am Dip merkst, dass dich deine Idee müde macht oder sich nicht mehr richtig anfühlt.

Ansonsten hol dir die richtigen Leute an deine Seite, wenn du ratlos bist.

Ich bin hier.

Und wie immer wünsche ich dir …

Good luck, my friend. 🙃

Love,
-Kristin