Diese Woche habe ich mit angehenden Social-Media-Managern gearbeitet. Ich habe sie gefragt, was gerade ihr größtes Problem ist. Die Antwort war eindeutig.

Nummer eins: Sie wissen nicht, wie und wo sie überhaupt anfangen sollen.

Nummer zwei: Sie halten nicht durch.

Beides hängt zusammen. Und beides hat denselben Ursprung, der weniger mit Strategie zu tun hat als die meisten denken.

Deshalb möchte ich dir heute etwas über Schreiben erzählen. Denn wer nicht weiß, wie er anfangen soll, hat meistens kein Themen-Problem. Er hat ein Schreib-Problem.

Und bevor ich das erkläre, muss ich noch kurz etwas loswerden. Einen Satz, der mich wirklich nervt: „Du bist die Nische."

Dazu kommen wir gleich. Aber erst das Wichtigere.

Die meisten scheitern nicht am Schreiben

Sie scheitern an dem Zustand, in dem sie schreiben.

Zu viele Menschen setzen sich hin und versuchen sofort, alles richtig zu machen. Zu früh Struktur. Zu früh Bewertung. Zu früh Kontrolle.

Und genau das blockiert.

Viele schreiben so, als säßen sie wieder in der Schule und würden dafür eine Note bekommen. ChatGPT, Claude oder Perplexity erledigen entweder vorher die komplette Arbeit oder werden anschließend genutzt, um alles glattzubügeln.

Das Ergebnis: Texte klingen oft schlicht unmenschlich. Das merkt man. Und die Leser merken es auch.

Gutes Schreiben beginnt aus meiner Sicht nicht mit Worten allein. Es beginnt mit dem eigenen Denken.

Wer versucht, bereits beim ersten Entwurf perfekt zu sein, schreibt meistens gar nicht.

Besonders in unserer KI-Ära, in der jeder innerhalb von Sekunden Content erstellen kann, lohnt es sich, echter und damit greifbarer für Menschen zu sein.

Schreiben ist aus meiner Sicht Beziehungsarbeit.

Jeder Text - egal ob Post, Skript, Kommentar oder DM - stellt immer dieselben drei Fragen:

Geht es hier um mich? Versteht mich diese Person wirklich? Und: Kann ich ihr folgen?

Sobald eine dieser Fragen offen bleibt, steigt innerlich Unruhe auf und Menschen gehen.

Nicht weil dein Content schlecht ist. Sondern weil er sich “nicht gemeint” anfühlt.

Und genau hier liegt der Fehler, den die meisten machen. Sie denken, Menschen bleiben wegen guter Formulierungen. Wegen schlauer Worte.

Nope.

Menschen bleiben wegen der Orientierung. Wegen der Klarheit, die du ihnen schenkst. Wegen dem Gefühl: WOW. Das hilft mir gerade. Das teile ich. Das merke ich mir.

Gute Texte nehmen Druck raus. Sie sortieren für andere mit.

Dein Text ist also kein Beweis deiner Kompetenz. Er ist ein Dienst am Leser.

Schreibfluss zuerst - Struktur danach

Ich habe meinen Social-Media-Managern diese Woche genau das gesagt:

“Schreibt so, als würdet ihr einer Freundin oder Freund etwas erklären.”

Nicht akademisch. Nicht mit Begriffen, die ihr selbst nie verwenden würdet. Nicht so professionell, dass ihr klingt wie ein Professor, der eine Vorlesung hält.

Einfach menschlich.

Lasst den ersten Entwurf erst einmal existieren, bevor ihr ihn bewertet oder in eine KI werft.

Emotion entsteht beim Schreiben, nicht beim Optimieren. Wenn du beim Formulieren nichts fühlst, wird der Leser vermutlich auch nichts fühlen.

Die besten Texte entstehen nicht, wenn man versucht, total perfekt zu wirken. Sie entstehen, wenn echte Gedanken auf echte Menschen treffen.

Das klingt simpel. Aber die meisten machen genau das Gegenteil. Sie sitzen vor einem leeren Dokument, warten auf den perfekten Satz … aber es kommt nichts. 

Irgendwann geben sie auf. Und genau da entsteht das zweite Problem, das meine Social-Media-Manager genannt haben: das Durchhalten.

Wer sich selbst zu viel Druck macht, hält nicht durch. Nicht weil er zu schwach ist. Sondern weil er gegen sich selbst arbeitet. 

Also: Schreibe deine Texte zunächst so, als würdest du einer Person eine Nachricht schicken. Nicht für den Algorithmus oder für LinkedIn. Lass KI vorerst weg!

Schreibe für einen Menschen.

Wenn der erste Entwurf steht, stell dir drei Fragen:

Wobei habe ich hier geholfen?

Welcher eine Gedanke soll hängen bleiben?

Was ist unnötig und kann raus?

Und übrigens: Kürzen ist keine Schwäche. Es ist Respekt vor der Zeit des Lesers oder Hörers.

Viele Menschen verstricken sich oft darin, Dinge doppelt und dreifach zu erklären. Sie glauben, mehr Worte würden mehr schaffen. Oft passiert leider das Gegenteil.

Der Leser versteht den Punkt längst, aber der Text redet weiter. Und genau dort steigen viele aus. Teste es gern selbst und analysiere.

Und jetzt zu dem Satz, der mich nervt

„Du bist die Nische.“

NO.

Jeder Guru, der dieses Narrativ verkauft, ist entweder bereits berühmt oder verkauft einen Kurs darüber. Beides ist legitim. Aber es hilft den meisten Menschen nicht weiter.

Niemand baut eine echte Human Personal Brand auf, indem er einfach beschließt, die Nische zu sein.

Die meisten Menschen, die heute als „die Nische“ wahrgenommen werden, haben jahrelang eine konkrete Nische dominiert. Erst danach wurden sie größer als das Thema selbst.

Steven Bartlett kann heute sagen, dass er die Nische ist.

Gary Vaynerchuk kann das auch.

Aber beide haben sich ihre Position über Jahre aufgebaut. Sie haben eine Zielgruppe angezogen, Vertrauen aufgebaut und eine klare Perspektive entwickelt.

Erst dann wurden sie zur Marke.

99 % von uns sind nicht an diesem Punkt. Mich eingeschlossen. 😉

Wenn ich auf meine Inhalte schaue, dann ist Marketing und Human Personal Branding im AI-Zeitalter meine Nische. 

Ich versuche nicht, die Nische zu sein. Ich versuche, einer der hilfreichsten, klarsten und einzigartigsten Menschen innerhalb dieser Nische zu werden.

Mit einer echten Persönlichkeit dahinter.

Das ist alles.

Und für dich gilt dasselbe:

  1. Nimm dein Thema.

  2. Pack deine Erfahrungen darauf.

  3. Pack deine Sichtweise darauf.

  4. Pack deine Persönlichkeit darauf.

Du musst nicht die Nische sein. Du musst nur unverwechselbar innerhalb deiner Nische werden.

Die Frage, die alles verändert

Wenn du heute ein paar Minuten Zeit hast, nimm dir einen Stift und ein Blatt Papier.

Und dann beantworte diese Frage:

Was glaubst du über dein Thema, das 99 % der Menschen entweder noch nie gehört haben oder dem sie nicht zustimmen würden?

Dort liegt deine konträre Perspektive.

Die stärksten Creator wirken nicht deshalb stark, weil sie die lautesten Meinungen haben. Sie wirken stark, weil man merkt: Da denkt jemand selbst. Hier wiederholt nicht einfach jemand, was alle anderen sagen.

Und hier wird es spannend.

Sobald du diese Perspektive gefunden hast, gehen dir die Themen plötzlich nicht mehr aus.

Why?

Weil du nicht mehr versuchst, Content zu erfinden. Du reagierst auf das, was du beobachtest - mit deiner eigenen Sichtweise.

Plötzlich hast du zu jeder Entwicklung, jedem Trend und jeder Diskussion einen Gedanken. Und genau daraus entstehen geniale Inhalte.

Hier beginnt das Schreiben und die Kunst, deine Gedanken so zu erklären, dass andere Menschen sie verstehen. So, dass sie nicken, nachdenken und sagen:

„Yes. So sehe ich das auch. Danke, my friend.“

Like. Kommentar. Follow.

Also … Alles hängt mit allem zusammen.

Perspektive → Gedanken → Worte → Content → Human Personal Brand.

Am Ende ist es eigentlich ganz simpel

Schreiben ist kein Talent. Es ist die Fähigkeit, einen Gedanken so auszudrücken, dass andere Menschen ihn verstehen und fühlen können.

Fang also nicht perfekter an. Fang ehrlicher an.

Denn die meisten Menschen scheitern nicht daran, dass sie nichts zu sagen haben.

Sie scheitern daran, dass sie versuchen, anders zu klingen, als sie wirklich sind.

Das ist für mich der Kern einer Human Personal Brand:

Als Mensch erkennbar zu bleiben.

Good luck, my friend. 🙃

Love

-Kristin

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