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Die größte Gefahr in der AI-Creator-Ära

Ich möchte heute einen Gedanken mit dir teilen, der sich in den letzten Wochen immer klarer gezeigt hat.

Ich habe mit vielen Menschen aus der Creator-Branche und aus der AI-Bubble gesprochen. Unterschiedliche Geschäftsmodelle, unterschiedliche Zielgruppen, unterschiedliche Strategien.

Und trotzdem landen wir am Ende immer an einem ähnlichen Punkt.

Wir alle spüren, dass sich gerade etwas verschiebt.
Und wir sehen es erstaunlich ähnlich.

Genau darüber möchte ich heute mit dir sprechen.

Ich bin davon überzeugt, dass wir an einem Wendepunkt stehen. Besonders in unserer AI-Ära, in einer Welt, in der jeder innerhalb weniger Minuten hundert Beiträge, Bilder oder Videos erstellen kann, verschiebt sich das Spiel fundamental.

Reach ist nicht mehr das ultimative Ziel. Mit den richtigen 1.000 Menschen zu resonieren ist wertvoller als hunderttausend flüchtige Views. Ökosysteme und Tiefe schlagen oberflächliche Sichtbarkeit.

Ja, Vertrauen ist schwer aufzubauen. Und es gibt nur sehr wenige Hacks, die das magisch beheben können. Aber dazu mehr im nächsten Letter.

Die neue Währung heißt Vertrauen

Menschen verlangen heute mehr denn je nach Echtheit. Nach Substanz. Nach jemandem, der nicht nur sendet, sondern wirklich mitdenkt und fühlt.

Und genau in diesem Kontext ist mir etwas passiert, das zunächst banal klingt, aber viel über diese neue Realität aussagt.

Kurz: Ich wollte einen Call absagen.

Nicht, weil ich keine Zeit hatte. Nicht, weil ich keine Lust hatte. Sondern weil ich nervös war. Ungewöhnlich nervös… Ich hole dich kurz in die Geschichte:

Der erste Termin war geplatzt, weil ich krank geworden bin. Der zweite, weil die Technik uns gezeigt hat, wie fragil digitale Meetings sein können.

Als der dritte Termin im Kalender stand, hatte ich insgeheim gehofft, dass wieder irgendetwas dazwischenkommt. Meine Ausrede war innerlich formuliert: „Sorry Luke, ich sterbe quasi gerade. Heute ist wirklich schlecht.“

Was mich zögern ließ, war nicht das Gespräch an sich. Ich spreche regelmäßig mit fremden Menschen, halte Workshops, führe Coachings. Das ist Teil meines Alltags.

Neu war etwas anderes: Es war mein erster Call auf Englisch. Und plötzlich war da diese Angst, ihn nicht präzise genug zu verstehen, nicht differenziert genug zu antworten oder nicht klug genug zu klingen.

Also hatte ich keine Angst vor ihm als Person. Es war mein eigener Anspruch. Am Ende war es total easy. Eine Stunde. Ein grandioser Austausch. Eine neue internationale Verbindung.

Und hier kommt der wichtige Punkt

Ich erzähle dir diese Geschichte nicht, weil ich glaube, dass mein Alltag besonders spektakulär ist.

Ich erzähle sie dir, weil Beziehungsaufbau in der digitalen Welt für viele eine Hürde ist. Und gleichzeitig die wichtigste Fähigkeit dieser Ära.

Was paradox klingt, ist eigentlich logisch: In einer Welt, in der Content im Überfluss existiert, wird Beziehung zur knappen Ressource.

Reichweite ohne Beziehung ist nur Schall und Rauch. Sie fühlt sich kurzfristig gut an, aber sie trägt nichts. Sie baut kein Vertrauen auf und schafft keine echte Bewegung. Keine Kunden, keine Kooperationen, keine Freunde, …

Also sei bereit Gespräche zu führen, die dich nervös machen.

Was ich immer wieder beobachte

Die meisten Menschen arbeiten an ihrer Außenwirkung. Sie optimieren Hooks, testen Formate, vergleichen Zahlen… Das ist super. Doch sie vermeiden echte Gespräche. Sie vermeiden die Situationen, in denen sie nicht perfekt wirken können.

Dabei entsteht genau dort Vertrauen.

Meiner Erfahrung nach baust du die stärksten Verbindungen auf, wenn du Menschen wirklich siehst. Ganz gleich, ob du Kunden gewinnen möchtest, Kooperationen suchst oder dein Netzwerk vertiefen willst. Ich nenne das für mich „Freunde finden“.

Ich spreche nicht mit Leads. Ich spreche mit Menschen.

Konkret bedeutet das: Wenn mich ein Beitrag wirklich zum Nachdenken bringt, kommentiere ich ehrlich und beziehe mich auf einen Gedanken. Ich stelle eine Frage oder teile eine eigene Perspektive.

Und ich lasse diese generischen KI-Kommentare bewusst weg, die man mittlerweile sofort erkennt.

Vertrauen wächst durch Echtheit und stirbt durch Copy-Paste.

Der zweite Schritt ist oft einfacher, als man denkt: eine lockere DM, ohne Pitch, ohne versteckte Agenda. Luke hatte mir lediglich geschrieben, dass er gesehen habe, dass ich sein Profil besucht hatte.

Aus dieser kurzen Nachricht wurden ein paar weitere.
Aus ein paar Nachrichten wurde ein Call.
Und aus diesem Call wurde Verbindung.

Genau das wird in der AI-Ära entscheidend.

Content kann repliziert werden. Sprache kann simuliert werden. Strategien können kopiert werden. Persönlichkeit jedoch bleibt einzigartig. Und genau deshalb sind direkte Gespräche ein echter Wettbewerbsvorteil. Sie sind schwer zu automatisieren. Schwer zu fälschen. Und genau deshalb so wertvoll.

Ja, die ersten Gespräche können sich unangenehm anfühlen. Vielleicht bist du nervös. Vielleicht suchst du nach den richtigen Worten.

Aber Nervosität ist in diesem Zusammenhang kein Zeichen von Schwäche. Sie ist ein Hinweis darauf, dass du wächst. Wenn dich ein Gespräch herausfordert, erweitert es dein System. Es zwingt dich, klarer zu denken, präziser zu sprechen und bewusster zuzuhören.

Die größere Gefahr besteht nicht darin, in einem Gespräch unperfekt zu wirken.
Die größere Gefahr besteht darin, Jahre später festzustellen, dass du zwar gesendet hast, aber nie wirklich verbunden warst.

Deshalb zwei kleine Impulse für dich:

Such dir heute eine Person aus, deren Arbeit du wirklich respektierst. Kommentiere bewusst und schreibe im Anschluss eine kurze, ehrliche Nachricht. Ohne Agenda.

Und wenn sich daraus ein Gespräch ergibt, geh hinein. Auch wenn deine Stimme vielleicht zittert oder du denkst, noch nicht bereit zu sein.

Ich habe mich vor dem Call mit Luke gefühlt wie vor meinem ersten Date. Und am Ende? War es einfach nur ein gutes Gespräch.

Du musst nicht perfekt klingen. Du musst nur echt sein.

Good luck, my friend.

-Kristin 🙃 

P.S.:

Nimm diesen Newsletter vielleicht als kleinen Schubs. Geh ins Gespräch. Wirklich. Such dir Menschen, die dich fordern, inspirieren, vielleicht sogar ein bisschen nervös machen. Genau dort entsteht Wachstum.

Und falls du mit Luke starten möchtest… Schau bei ihm vorbei oder schreib in direkt an.

Ich habe unser Gespräch geliebt, weil er ähnlich arbeitet wie ich: Fokus auf Identität, echte Marken und Beziehungen statt bloßer Sichtbarkeit.